Fluglärm über dem Kinzigtal: Pipa und Kavai kämpfen für mehr Schutz

Main-Kinzig-Kreis. Im Oktober soll die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen in Betrieb gehen. Dann wird sich aufgrund der geänderten Anflugrouten auch der Fluglärm anders verteilen als bisher. „Für das Kinzigtal bedeutet dies mehr Lärm“, erklären Landrat Erich Pipa und Kreisbeigeordneter Dr. André Kavai. Denn die Zahl der stündlichen Starts und Landungen werde zum Jahresende von derzeit 80 auf rund 120 ansteigen.

Genau so wie Umweltdezernent Dr. André Kavai kämpft Pipa dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger im Kinzigtal nicht noch mehr über Gebühr mit Fluglärm belästigt werden. Schon vor Monaten hatten Pipa und Kavai vor der Zunahme des Fluglärms im Kinzigtal gewarnt und ein gemeinsames Vorgehen der Kommunen im Kreisgebiet gefordert. Zudem hat der Main-Kinzig-Kreis bereits im Sommer 2001 Klage eingereicht.

Seit Mitte vergangener Woche sind nun die Flugrouten geändert. Das Problem: Durch die Änderung der Anflugrouten werden künftig nicht mehr nur einzelne, sondern fast alle Kommunen im Kreisgebiet vom Fluglärm betroffen sein. „Ob unsere Kurstädte in Bad Soden-Salmünster, Wächtersbach, Gelnhausen, Langenselbold, Rodenbach, oder Hanau – alle werden betroffen sein“, sagt Pipa. Schon jetzt erhalte er viele Schreiben und Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern; „alle bestätigen den Eindruck, dass es schon jetzt lauter geworden ist“, erklärt der Landrat.

Schon seit mehr als zehn Jahren setzt sich Pipa für das CDA-Anflugverfahren ein. „Das würde unsere Situation hier erheblich verbessern“, betont Pipa. Beim Continuous Descent Approach (CDA) handelt es sich um ein Gleitanflugverfahren, das einen kontinuierlichen Sinkflug mit reduzierter Triebwerksleistung ermöglicht. „Die neuen Flugrouten beinhalten aber genau das Gegenteil. Durch niedrigere Mindestflughöhen werden die Bürgerinnen und Bürgern noch mehr belastet. Fakt ist: Es wird noch lauter werden“, meint der Landrat. Außerdem bekämen die Sportflieger massive Probleme, weil sie von der Flughöhenabsenkung stark betroffen sind. Pipa ruft alle Kommunen dazu auf, sich mit dem Thema Fluglärm intensiv zu befassen und gemeinsam mit dem Kreis für eine Verbesserung der Situation zu kämpfen.

Derzeit klagt der Main-Kinzig-Kreis noch immer gemeinsam mit der Stadt Hanau und der Gemeinde Rodenbach vor dem Verwaltungsgerichtshof, unterstützt von den Gemeinden Neuberg, Ronneburg und der Stadt Gelnhausen. Mit einem Urteil rechnet Dr. Kavai gegen Ende des Jahres. In der Klage geht es um das Nachtflugverbot, die Einführung des Sinkgleitflugverfahrens und das Festlegen einer Lärmobergrenze, insbesondere in der Nacht. „Unser Minimalziel war das Aussetzen der Flüge zwischen 23 und 5 Uhr“, erläutert Kreisbeigeordneter Dr. André Kavai. Es dürfe nicht sein, dass gesunder Nachtschlaf in großen Teilen der Rhein-Main-Region erheblich eingeschränkt werde. Der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch und sein Stellvertreter Jörg-Uwe Hahn hätten in den Verfahren immer deutlich gemacht, dass der Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor nächtlichem Fluglärm hohe Priorität genieße. „Aber die Landesregierung hat genau gegenteilig gehandelt“, kritisiert Dr. Kavai.

Nachdem der Verwaltungsgerichtshof Kassel in seiner Entscheidung im Sommer 2009 die geplanten 17 nächtlichen Flüge zwischen 23 und 5 Uhr kassiert hatte, habe Verkehrsminister Dieter Posch umgehend Revision gegen das Urteil eingelegt. Der Bundesgerichtshof in Leipzig ist nun mit dem Fall befasst. Erst nach dieser Entscheidung wird über die Klage des Kreises, der Stadt Hanau sowie der Gemeinde Rodenbach verhandelt. „Ein Skandal“, meint Kavai. Die Landesregierung setze sich selbstherrlich über die eigenen Zusagen und das Mediationsverfahren hinweg – „und das, ohne mit der Wimper zu zucken und mit fadenscheinigen Begründungen“. (mkk)

 

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