Top-Fotos

Slider

Erfolgreicher 1. Hessischer Stadtmarketingtag in Hanau

kam-marketing-470Foto: Joachim Haas-Feldmann

Hanau - Den Wettbewerb der Innenstädte mit großflächigem Einzelhandel auf der Grünen Wiese aufzunehmen, dazu hat Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky beim 1. Hessischen Stadtmarketingtag im Congress Park Hanau aufgerufen. Wer in der Konkurrenz mit solchen Einkaufszentren bestehen wolle,  müsse sich allerdings weiter professionalisieren. Dafür sollte die erstmals stattfindende Veranstaltung fast 200 Teilnehmern aus Hessen und anderen  Bundesländern Impulse mit auf den Weg geben.

Kaminsky sah  den Unterschied zwischen Innenstädten und Grüner Wiese vor allem darin, dass sich hierbei eine „zivilisatorische Hochleistung“ und rein ökonomisch ausgelegte „Kunstgebilde“ gegenüberstünden. Ob beispielsweise Factory Outlet Center wie das „Wertheim Village“ in  30 Jahren noch bestünden, das lasse er dahingestellt. Sicher sei er hingegen, dass Städte dann noch am Leben seien.
   
Hans Dieter Degen, Referatsleiter aus dem hessischen Wirtschaftsministerium, erwiderte, oft hätten „strahlende Bürgermeister“ die Einkaufszentren auf der Grünen Wiese eröffnet. Das Land beachte bei  der Vorgabe von Planungsregeln für großflächigen Einzelhandel die Planungshoheit der Kommunen.
   
Degen rief dazu auf, vor allem den kulturellen Wert der Innenstädte mit ihren Rathäusern, Schlössern und Kirchen wieder mehr ins Bewusstsein vor allem der jungen Bevölkerungsgruppe zu rufen, der Einkaufszentren oft wichtiger erschienen. Das Land Hessen betrachte Stadtmarketing zunächst als originär kommunale Aufgabe, denn Städte seien unterschiedlich  und universelle Marketingkonzepte daher unmöglich. Punktuell biete das Land allerdings Hilfen mit seinem Gesetz zur Verbesserung von Innenstadtquartierten (INGE), das sich seit 2005 bisher mehr als zehn  Projekte zunutze gemacht hätten. Weitere 67 Projekte habe das Land sei 2003 bei dem City-Förderwettbewerb  „Ab in die Mitte!“ prämiiert.

hmg-heinze-470
Frank Heinze vom Büro Heinze & Partner beschrieb Stadtmarketing als ein umfassendes Werk von verschiedenen Massnahmen. Oft werde die Lösung dieses Puzzles übersehen, da man sich in Einzelmassnahmen verstricke. Auch eine Erfolgskontrolle der Massnahmen sei notwendig. Stadtmarketing "nach Gefühl" funktioniert nicht. Auch Stadtmarketing "von oben" hat keine Zukunft. Ohne Einbeziehung der Bürger wie auch einzelner Akteure stösst man schnell an Grenzen. (Foto: Gottlieb)
   
Michael Grundmann, Geschäftsführer im Mega-Einkaufszentrum „Centro“ in Oberhausen, prophezeite ein Zunahme innerstädtischer Einkaufszentren, wohingegen manche auf der Grünen Wiese nicht überleben würden. Ob dadurch die Innenstädte belebt würden oder damit der Tod des angestammten City-Einzelhandels provoziert werde, könne derzeit niemand verlässlich vorhersagen.
   
Grundmann riet den Citymanagern zu mehr Durchgriffsmacht, wenn sie beispielsweise gegen Plakat-Wildwuchs oder überbordenden Müll in Blumenkübeln in den Innenstädten vorgehen wollten. Martin Bieberle, Geschäftsführer der gastgebenden Hanau Marketing Gesellschaft (HMG) hielt entgegen, Stadtmarketing sei fortwährende Überzeugungsarbeit bei den Einzelhändlern der City; allerdings müsse die Kommunalpolitik dabei den Rücken stärken. Stadtmarketing biete die Chance, mit Bürgern zu sprechen, die Kommunalpolitiker nicht mehr erreichten. Im Unterschied zum Einkaufszentrum dürfe eine Stadt ihre Besucher und Bewohner nicht nur als Konsumenten begreifen und nicht von Sicherheitskräften am Eingang entscheiden lassen, wer Zutritt erlange und wer nicht.
   
„Centro“-Manager Grundmann meinte, künftig entschieden überall im Einzelhandel Umfeldbedingungen, Service und das Dachmarketing. Die hauptsächliche Kritik der Kunden bestehe in unfreundlichem Verkaufspersonal, mangelnder Hilfsbereitschaft in den Geschäften und fehlendem Service; in solchen Umfragen stehe die Qualität der Produkte keineswegs im Vordergrund. Zu den schlechten Umfeldbedingungen zählte er  beispielsweise zu kleine und zu dunkle Parkplätze, die damit auch familienunfreundlich seien. Service, Sicherheit und Sauberkeit seien entscheidend für die Kundengunst.
   
Am 1. Hessischen Stadtmarketingtag nahmen Bürgermeister, Wirtschaftsförderer, Citymanager, Einzelhändler, Werbefachleute, Vertreter von Verbänden und Gewerbevereinen, Experten von Tourismus- und Kongressgesellschaften sowie Kommunalpolitiker teil. Sie vereinbarten, einen Arbeitskreis Stadt- und Citymarketing Hessen zu gründen, der von der HMG koordiniert wird. Frank Heinze, Fachmann für Stadtmarketing und einer der Referenten im CPH, attestierte Hessen, damit auf Länderebene Vorreiter zu seien, während eine Bundesarbeitsgemeinschaft  bereits besteht.
   
Veranstalter des Stadtmarketingtags waren neben der HMG die Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern sowie der Einzelhandelsverband Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern.  (PM HMG/ jh)                       

Tags:

Veranstaltungen ausgesetzt

Keine Veranstaltungen mehr während der Corona-Beschränkungen!
© 2018 Verlag Günter Gottlieb - Alle Rechte vorbehalten