Balkon an der Kinzigmündung

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Hanau - Prägend für die Regionalparkrouten innerhalb des Stadtgebietes von Hanau ist der fast ständig wahrnehmbare Bezug zum Wasser, der Einfluss des Mains und der Kinzig auf das Erscheinungsbild der Landschaft, auf ihre Besiedlung und Nutzung. In der heutigen Zeit zum Beispiel ist die Kinzigmündung in den Main Schnittpunkt zweier wichtiger Freizeitrouten: Mainuferweg (von der Mainspitze in Ginsheim-Gustavsburg über Aschaffenburg bis Bam- berg) und der Radfernweg entlang der Kinzig (über Geinhausen und Fulda bis nach Tann in der Rhön) treffen an dieser Stelle aufeinander. Doch auch schon in früherer Zeit hatte der Weg eine wichtige Bedeutung. Hier verlief der Leinpfad, an dem Handelsschiffe von Menschenhand und Zugtieren mainaufwärts gezogen wurden. Solche Zusammenhänge sichtbar zu machen und sie in eine zeitgemäße Erholungsplanung zu integrieren, ist der Gedanke, der hinter der Regionalparkidee steht.

balkon-gruppe-470Bild: Landrat Rolf Gnadl (wetterau), Stadtrat Ulrich Müller (Hanau) und Lorenz Rautenstrauch (Planungsverband Rhein-Main)

Damit der Regionalpark um diesen weiteren Mosaikstein wachsen kann, überreichte am Freitag, dem 10. November 2006, Rolf GnadI, Landrat des Wetteraukreises in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Regionalpark Ballungsraum RheinMain gGmbH einen Förderbescheid an Herrn Baudezementen Müller. Darin erklärt sich die Regionalpark Ballungsraum RheinMain gGmbH bereit, das Projekt mit 33.300 Euro zu unterstützen. Einen Teil dieser Summe - 16.700 Euro steuert die Fraport AG zum Projekt bei. Der Eigenanteil der Stadt Hanau beträgt ebenfalls 16.700 Euro. Die Baukosten beziffern sich insgesamt auf rund 50.000 Euro.

Bereits 1999 hatte die Stadt Hanau, gemeinsam mit dem damaligen Umlandverband und der Stadt Maintal einen Planungsauftrag „Konzeption zur Anbindung und Weiterführung der Regionalparkrouten von Maintal zur Landesgartenschau Hanau 2002" vergeben. Aufbauend auf diese Planungsgrundlage wurden entlang des Wegeabschnittes von Dörnigheim zum Schlossgarten als erste Maßnahme drei Revisionsschächte unterhalb des Schlosses Philippsruhe gestaltet. Die Schächte wurden mit in das Erholungskonzept eingebunden und sind mittlerweile „bespielbar", „besitzbar" und „anlegbar".

balkonplan-225Landschaftsarchitekt Jörg Spiegel vom Büro plan etage, Kassel, erklärte am Bauschild die Idee, die seinem Entwurf zu Grunde liegt. Wichtiger Ausgangspunkt war, sich auf wenige, sparsame Eingriffe in die vorhandene Situation zu beschränken, den historischen Bezug aufzunehmen und den Blick für reizvolle Blickbeziehungen zu schärfen. Denn man kann an diesem besonderen Ort bereits jetzt weite Blicke mainabwärts in Richtung Schloss Philippsruhe und mainaufwärts in Richtung Hafen genießen. Diese vorhandenen Qualitäten sollen betont und durch bessere Aufenthaltsmöglichkeiten erschlossen werden. Mit einem Balkon als Aussichtsplattform auf der Ostseite der Mündung der Kinzig in den Main will er diese Idee umsetzen. Der Balkon besteht aus zwei ineinander geschobenen Terrassendecks, die durch eine Mauer aus Cortenstahl markiert sind. So kann man direkt am Wasser sitzen, Schiffe beobachten, angeln und nicht nur die Füße im Wasser, sondern auch die Seele baumeln lassen. Über einen kurzen Stichweg soll der bestehende Leinpfad und damit die Regionalparkroute bis zum Wasser hinunter verlängert werden. Der Weg soll wie der alte Leinpfad mit Basaltpflaster belegt und zusätzlich mit Stahlbändern eingefasst werden. Die den Weg querenden Linien - Granitbänder - symbolisieren die Taue, die zum Traideln der Schiffe benutzt wurden.

Der Regionalparkgedanke
Der Regionalpark RheinMain sichert die zwischen den Siedlungen noch vorhandenen Freiflächen, indem Schritt für Schritt ein Netz aus landschaftlich reizvollen Wegen und Anlagen aufgebaut und zu einem attraktiven Gesamtbild zusammengeführt wird. Wichtiges Anliegen ist der Ausgleich der Interessen von Naturschutz, Erholung und Denkmalschutz. Der Balkon an der Kinzigmündung ist ein gutes Beispiel hierfür. Vor über zehn Jahren entstand beim damaligen Umlandverband Frankfurt die Idee, den Regionalpark RheinMain zu entwickeln. Bis heute wurden in über 30 Kommunen bereits mehr als 100 Teilprojekte realisiert und eine Wegroute von etwa 100 km geschaffen. Mit Blick in die Zukunft soll ein Netz von über 500 km Routenlänge entstehen!

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