Sanierung einer denkmalgeschützten Arbeitersiedlung aus den 1920er Jahren im Freigerichtviertel

Hanau - Die Sanierung der denkmalgeschützten Siedlung Freigerichtstraße steht kurz vor der Fertigstellung. In den vergangenen zwei Jahren hat die Baugesellschaft Hanau in 2 Bauabschnitten insgesamt 112 Wohnungen in 20 Häusern entlang der Freigerichtstraße zwischen Wartburg- und Dunlopstraße sanieren lassen, 45 davon in bewohntem Zustand. Die Arbeiten des 1. Bauabschnittes sind bereits abgeschlossen, im 2. Bauabschnitt sind nun die bewohnten Wohnungen saniert und derzeit werden noch leerstehende Wohnungen, sowie Treppenhäuser und die Fassade endgültig fertiggestellt.

Erbaut wurde die Anlage entlang der Freigerichtstrasse von 1920 bis 1922 als Arbeitersiedlung der benachbarten Firma Dunlop. Im 2. Weltkrieg nur an zwei Stellen von Bomben getroffen, hat die Häuserzeile bis heute ihr Erscheinungsbild als identitätsstiftende Gesamtanlage mit den vielen charakteristischen Details aus der Bauzeit wie Holzverschindelungen, Sandsteingewände, Dielenböden, Massivholztüren etc. bewahrt. Mit zwei bzw. drei Zimmern plus Küche und Flur auf 45 bis 65 m2 bieten die Wohnungen auch heute noch zeitgemäße flexible Nutzungsgrößen.

Nicht mehr zeitgemäß war jedoch die zum Teil noch aus den 1920er Jahren stammende Haustechnik. Nur wenige Wohnungen verfügten über Etagenheizungen, die meisten wurden noch mit Einzelöfen beheizt. Die gesamte Wasser- und Abwasserinstallation aus der Erbauungszeit, die Bäder aus den 50er bis 1970er Jahren sowie Fassaden und Dächer waren sanierungsbedürftig. Eine Komplettsanierung innen und außen war also dringend erforderlich.

Unter Führung des mit Planung und Bauleitung beauftragten Darmstädter Architekturbüros Rittmannsperger + Partner sowie des Hanauer Ingenieurbüros für Haustechnik, Waldemar Paulus GmbH wurden Bäder und Küchenzeilen erneuert, Fußböden saniert, eine energiesparende Gaszentralheizung sowie neue Ver- und Entsorgungsleitungen eingebaut, Treppenhäuser instandgesetzt, Dämmmaßnahmen durchgeführt sowie die Dächer mit Biberschwänzen neu gedeckt.

Auf die bis zu einem halben Meter starken Bruchsteinwände wurde ein neuer Kalkputz aufgebracht. Die Außenfarbgebung erfolgte gemäß bauzeitlicher Befunde in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. So entspricht beispielsweise der kräftige Rotton der Eck- und Rückgebäude- und der Blauton der GiebelVerschindelungen und Klappläden den vorgefundenen Farbspuren. Sie geben dem Ensemble seine Unverwechselbarkeit zurück und werten es eindeutig auf. Straßenseitig vervollständigen neue Holzfenster in alter Teilung mit Oberlicht und Sprossen sowie erneuerte Schlagläden das wiederhergestellte Gesamtbild. Auf der nach Süden ausgerichteten Gebäuderückseite, die an eine große, geschlossene Grünfläche anschließt, sorgen Vorstellbalkone für eine neue Wohnqualität. Hier wurden ebenfalls die Fenster erneuert, jedoch als in Form und Teilung optisch angepasste, kostengünstigere Kunststofffenster. Im letzten Bauabschnitt werden derzeit die Freiflächen gestaltet. Private Gärten, Gemeinschaftseinrichtungen und viel Grün geben künftig den Mietern wieder ein attraktives Umfeld.

Das heute sichtbare Erscheinungsbild ist ein gelungenes Ergebnis manchen Abwägungsprozesses zwischen Denkmalschutz, Mieterwünschen und natürlich der Wirtschaftlichkeit, wobei immer ein für alle Seiten tragbarer Kompromiss gefunden wurde. Mit einer lnvestitionssumme von ca. 6,58 Millionen € ist die Baugesellschaft Hanau dabei an die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen, zumal es keinerlei Fördermöglichkeiten gab. Doch nur durch diesen Einsatz konnte das Ziel, der Erhalt der Gesamtanlage in der vorhandenen Mieterstruktur, verwirklicht werden. Die ersten vollständig sanierten Wohnungen sind bereits wieder bezogen, weitere warten auf neue Mieter bzw. werden in Kürze bezugsfertig. (Rittmansberger + Partner)

 

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