Mit dem Teddybärexpress nach Oberhessen

Gelnhausen - An meine letzte Eisenbahnfahrt mit einer Dampflok kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Aber bei uns in der Wilhelmsstrasse (die ja in Hanau bis zur Bahnstrecke geht) waren in den 50er und frühen 60er Jahren die Dampflokomotiven allgegenwärtig. Damals gab es noch die Schranke am Nordbahnhof und die war wegen der hohen Zugfrequenzen zu dieser Zeit fast ständig unten und behinderte den Strassenverkehr. Und die Dampfloks waren laut, sie fauchten, schrien und gaben ohrenbetäubende Pfiffe von sich. Direkt am Bahnhof war ein Signal. Hier starteten die Loks mit kräftigem Fauchen und liessen auch mal lautstark Dampf ab.
Am Sonntag in Gelnhausen war das ganz anders. Das war die Dampflokomotive ein liebenswertes Gefährt für einen kleinen nostalgischen Ausflug in den Vogelsberg. Am Bahnhof warteten die viele Menschen schon ungeduldigt auf das Einfahren des Zuges. Viele Mütter und Väter, Omas und Opas waren mit kleinen Kindern gekommen um dieses Erlebnis zu geniessen. Der 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Möller, war auch im Zug der Chef. Er gab das Abfahrtsignal und los gings.
Mit wuchtigen Schnauben setzte sich der Zug in Bewegung und der dicke, dunkle Rauch verdunkelte den Himmel. So eine Fahrt ist nicht nur etwas für die Augen und die Ohren, auch die Nase darf mitfahren und den Geruch des Rauches aufnehmen. Eine Fahrt für alle Sinne. Ihr ganzer Körper fährt mit, die Sitzbänke sind aus Holz oder auch Plastikbezogen, eben original aus der Zeit und damit - und den alten Wagen - fährt es sich anders als im modernen ICE. Mit allen Sinnen fährt man hier mit und dies macht auch den grossen Spass so einer Veranstaltung aus.

Die Kinder waren begeistert. Wo gibt es das schon mal? Mit dem Teddy die Bahnfahrt "bezahlen".

Das Zugpersonal hatte auch Zeit für ein Familienfoto.
Der Teddybärexpress ist für den Verein eine Werbeveranstaltung. Die kostenlose Fahrt für Kinder (mit Teddybär) soll die Museumseisenbahn bekannt machen und für die anderen Fahrten des Vereins begeistern. Für die Erwachsenen ist die Fahrt natürlich nicht kostenlos gewesen.
Zunächst ging es auf flacher Strecke nach Lieblos, wo der Zug noch einmal hielt und weitere Fahrgäste aufnahm. Dann kam die erste Bewährungsprobe für die alte Lok. Es galt eine Steigung nach Nieder-Gründau zu meistern. Man spürte die Mühen der Lok körperlich und hörte das tiefe Fauchen aus dem Schornstein um die Kräfte freizugeben. Auch in Nieder-Gründau gab es Gelegenheit zuzusteigen und an diesem Abenteuer teilzunehmen. Auf der Fahrt durch die Wiesen und Äcker waren immer wieder Menschen bei ihren Spaziergängen zu sehen, sie blieben stehen und winktem dem Zug zu. Überall an der Strecke waren auch Menschen mit Fotokameras und Camcordern, die dieses Ereignis festhielten. Es war auch wirklich eine tolle Atmosphäre. Die Sonne schien, es war blauer Himmel und die Lokomotive spuckte dichten, dunklen Qualm aus. Ein Feiertag für Dampflokfreunde.

Dann ging es in den dunklen Tunnel zwischen Gründau und Büdingen und im Zug leuchteten nur noch ein paar Teelichter. Die Kinder fingen an zu quietschen und zu quieken, ein wenig Angst war sicher schon dabei - im dunklen Zug. Doch der Tunnel war bald passiert und die Stadt Büdingen näherte sich. Zum Bahnhof hin geht es leicht bergab und auch dies merkten sie als Passagier sofort. Es rollte sich leichter. Am Bahnhof angekommen war dann etwa eine Stunde Zeit, die Büdinger Altstadt zu besichtigen oder auch am Bahnhof zu bleiben, um zu sehen was denn dort passiert.

Aus Hanau war ein Lastwagen mit Kohle gekommen. In Büdingen wurde die Lok mit neuer Energie beladen. 750 Kilogramm Kohle werden für eine Fahrt von Gelnhausen nach Büdingen und zurück benötigt. Dazu kommen noch 2 Tonnen Wasser. Auch die Wassertanks wurden in Büdingen aufgefüllt. Unser Lokführer, Herr Schäfer, erlaubte mir einen Blick in seinen Führerstand.
In Büdingen hatte auch Herr Dr.Pietsch seine Modelleisenbahn aufgebaut. Es ist eine echte Dampfmaschine, von ihm höchstpersönlich gebaut. Über eine Funkfernsteuerung kann er seinen Zug in Bewegung setzten.

Am späten Nachmittag geht es dann wieder zurück und im Westen ging filmreif die Sonne unter.

Der Verein Modelleisenbahn Hanau e.V. konnte an diesem Sonntag bei seinen zwei Fahrten fast 800 Fahrgäste zählen. Alle waren begeistert, den Kindern strahlten die Augen. Ich kann ihnen so eine Fahrt nur empfehlen.  Ein Tag ohne Hektik. Wenn Sie es eilig haben, benutzen Sie bitte ein anderes Verkehrsmittel.

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Die nächsten Fahrten des Vereins:

04. Dezember 2005   Nikolausfahrt von Aschaffenburg Hbf nach Miltenberg   
11. Dezember 2005  Sonderfahrt Hanau-Michelstadt/Erbach Odw. zum Weihnachtsmarkt

Homepage des Vereins: http://www.museumseisenbahn-hanau.de

Veranstaltungen über 9,99 Euro Eintritt sind kostenpflichtig

In der letzten Zeit häufen sich eingesandte Veranstaltungen, die von Firmen und Agenturen angeboten werden. Diese werden von uns als kostenpflichtig angesehen und nicht veröffentlicht. Unsere Grenze für kostenlose Veranstaltungshinweise liegt bei 9,99 Euro. Alle anderen Einsendungen landen im Papierkorb. HanauOnline.de veröffentlicht weder Kurse noch Ausstellungen kostenlos!

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