Ehrengrab für Dr. Elisabeth Schmitz

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Hanau - Eine Bürgerin unserer Stadt, die Mut in schlimmen Zeiten gezeigt hat, wurde posthum geehrt. Der Magistrat hatte vor kurzem der Errichtung eines Ehrengrabes für Dr. Elisabeth Schmitz auf dem Hauptfriedhof zugestimmt. Damit wird ein Übereinkommen zwischen OB Kaminsky und Pfarrer Heinz Daume vom Evangelischen Arbeitskreis Christen-Juden vom Beginn dieses Jahres in die Tat umgesetzt.

{mosimage} Dr. Elisabeth Schmitz, geboren am 23. August 1893 in Hanau, rief 1935 offen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf: "Will sich die bekennende Kirche nicht erbarmen?". Die protestantische Lehrerin erkannte klar die verzweifelte Lage der Juden, wies auf die große Schuld, die sich das deutsche Volk und auch die Kirche damals gerade aufluden, deutlich hin. Zwei Jahre nach Hitlers Machtergreifung verfasste sie die Denkschrift " Zur Lage der deutschen Nichtarier", vervielfältigte sie in 200 Exemplaren und legte sie den Synoden der Bekennenden Kirche vor. Doch die Denkschrift fand dort keinerlei Beachtung.

Das Dokument wurde lange Zeit der damals ebenfalls in Berlin lebenden Wohlfahrtspflegerin Marga Meusel zugeschrieben. Erst vor einigen Jahren kam die eigentliche Urheberschaft zu Tage.

Elisabeth Schmitz wollte als Lehrerin kein Instrument der Nationalsozialisten sein, reichte ihre Frühpensionierung ein und zog von Berlin zurück in ihre Geburtsstadt Hanau. Im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon des Bautz-Verlages ist darüber zu lesen:
"1943 kehrt Elisabeth Schmitz in ihre Vaterstadt Hanau zurück. 1946 geht sie - nach 7-jähriger Unterbrechung - wieder ins Lehramt. Sie verwaltet zunächst im Angestelltenverhältnis eine offene Studienrätinnenstelle an der heutigen Karl-Rehbein-Schule in Hanau. Am 5.3.1947 reicht sie ein Gesuch um "Anerkennung als Wiedergutmachungsfall und um Übernahme in den Schuldienst Großhessens" ein. In diesem Gesuch schreibt sie rückblickend: "Ich beschloß, den Schuldienst aufzugeben und nicht länger Beamtin einer Regierung zu sein, die die Synagogen anstecken läßt." Darauf wird sie wieder ins Beamtenverhältnis übernommen. 1958 wird sie pensioniert. Sie stirbt am 10. September 1977.

Die Bedeutung von Elisabeth Schmitz liegt darin, dass sie schon 1933 sieht und ausspricht (...), was mit dem Nationalsozialismus auf Deutschland und die deutschen Juden zukommt, dass sie die evangelische Kirche beschwört, ihre Stimme laut werden zu lassen und nicht zu schweigen. Die Einmaligkeit des Textes ihrer Denkschrift und die Einmaligkeit ihrer Haltung und ihrer persönlich gezogenen Konsequenz heben sie aus allen anderen kirchlichen Stimmen und Verhaltensweisen der Jahre des nationalsozialistischen Regimes hervor."

Nach dem Krieg arbeitete sie bis zu ihrem Lebensende engagiert im Hanauer Geschichtsverein: als Mitglied im Arbeitsausschuss, im Redaktionsausschuss für die Vereinspublikationen, bei Vorträgen und Fahrten.

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