Stern-TV - Die verlorenen Briefe

Hanau - In der vergangenen Woche war ein Team von Stern-TV in Hanau und machte Aufnahmen für die Sendung vom 14.9.2005. Warum wurde Hanau für diese Aunahmen ausgewählt? Bei den letztes Bundestagswahlen 2002 kam das Hanauer Endergebnis am genauesten an das bundesweite Endergenis heran. So ging man bei Stern-TV on der Annahme aus, "in Hanau ist der deutsche Michel" zuhause. Eigentlich bräuchte man gar keine Bundestagswahlen. Es reicht völlig aus in Hanau zu wählen und man hätte ein ziemlich exaktes Wahlergebnis das man auf die Bundesrepublik übertragen kann. Soweit die Theorie.

Um den Sieger der diesjährigen Bundestagswahl herauszufinden fuhr das Team also nach Hanau. Hier bediente man sich der "Lost Letter" Methode nach Stanley Milgram. Milgram hatte mit diesem Experiment 1963 das richtige Ergebnis der Präsidentenwahl zwischen LB Johnson und Barry Goldwater vorausgesagt. Milgram ist mit dem Milgram-Experiment zur Autoritätshörigkeit der Menschen berühmt geworden. (http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment)
Beim "Lost Letter" Experment verteilte Milgram eine grössere Anzahl adressierter und frankierter Briefe. Sie waren entweder an Johnson oder Goldwater adressiert. Das Experiment bestätigte Milgrams Theorie, das Sympathie für den einen oder anderen Kandidaten zur Weiterleitung des Briefes führt. Tatsächlich erhielt Johnson damals die meisten Rückläufer und wurde auch Präsident.


Die "verlorenen Briefe" aus Hanau waren an Guido Westerwelle, Angela Merkel, Joschka Fischer und Gerhard Schröder adressiert. Insgesamt wurden in Hanau 400 Briefe verloren. Je Adressat 100 Briefe. Diese waren beschriftet und mit Briefmarke versehen. Alle wurden an verschiedenen Stellen in Hanau (Freiheitsplatz, Hauptpost, Kurt-Schumacher-Platz) in der Nähe von Briefkästen abgelegt. Es sollte so aussehen, als wären sie aus Versehen heruntergefallen. Würden die Hanauer sie in den Briefkasten werfen?

Nach der Theorie werden die Briefe mach Sympathie eingeworfen. Ein CDU-Wähler würde z.B. den Brief an Angela Merkel weiterleiten, den an Gerhard Schröder möglicherweise nicht u.s.w.. Alle Briefe gehen in Berlin an eine Anschrift. Hier werden die angekommenen Briefe ausgezählt. Der Kandidat, der die meisten Rückläufer (Briefe) erhält, wird von den Hanauern gewählt und der nächste Bundeskanzler oder die nächste Bundeskanzlerin.

Hier steckt einer der interviewten Hanauer "seinen" Brief in den Briefkasten (Kurt-Schumacher-Platz)
Das Filmteam beobachtete aus einem Versteckt die "verlorenen" Briefe und schritt ein, wenn ein Passant einen Brief aufhob und ihn in den Briefkasten steckte oder ihn sich auch nur etwas genauer ansah. Dann wurden die Passanten vor der Kamera befragt. Das Team gab sich zu erkennen und filmte mit einer grossen Videokamera. Es gab aber auch eine kleine versteckte Kamera in der Nähe in einer Tasche. In einer zusamengerollten Bildzeitung auf der Strasse lag ein Mikrofon und mit einer winzigen Stiftkamera konnte das Team auch in den Briefkasten hineinfilmen.
Bild links: In dieser Zeitung war ein Mikrofon versteckt. Bild rechts: Das Team bestand aus zwei Redakteuren (Jana Kriewald und Stefan Guntli, Michael Boomers (Kamera), Dominic Basselli (2. versteckte Kamera), Andreas Schultz (Tonmeister) und Holger Vogel (Volontär).

Nun liegt nach der Sendung auch das Ergebnis vor: Hanau hat Rot-Grün gewählt. Bundeskanzler Schröder müsste nach der Theorie im Amt bleiben. Warten wir es ab. Angela Merkel hatte 42 Briefe, Guido Westerwelle 51 Briefe, Gerhard Schroeder 58 Briefe und Joschka Fischer 67 Briefe (nach RTL SternTV vom 14.9.2005).
 
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