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Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Entwicklungshelfer Thorsten Ehmann berichtet an der Hohen Landesschule aus erster Hand über seine Erfahrungen in Burkina Faso (Westafrika)
Hanau - „Von Hanau immer geradeaus nach Süden – da liegt Burkina Faso“. Es ist mucksmäuschenstill, als Thorsten Ehmann vor Schülerinnen und Schülern der Hohen Landesschule mit Dias und einfachen, oft persönlichen Worten sehr authentisch über seine Erfahrungen aus seiner Zeit in Burkina Faso berichtet.

Thorsten Ehmann kam auf Einladung von Fachbereichsleiter Stefan Prochnow in dessen Erdkunde-Klassen der Jahrgangsstufe 10. Thorsten Ehmann arbeitet heute als Diplom-Ingenieur und selbstständiger Landschaftsarchitekt in Mühlheim am Main, ist aber noch immer auf lokaler Ebene mit der Entwicklungszusammenarbeit und vor allem mit Burkina Faso verbunden, denn er organisiert im Rahmen einen Städtepartnerschaft mit Frankreich und Burkina Faso einen regelmäßigen Austausch zwischen Mühlheim und Westafrika.

Von 1995 - 1997 war Ehmann für den Deutschen Entwicklungsdienst DED und die Eschborner Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) in Burkina Faso tätig. Er betreute dort ein Projekt zur Erosionsvorbeugung in ländlichen Regionen durch den Bau von kleinen Steinwällen, die das Wasser am großflächigen Ablaufen hindern und damit die Bodenabtragung eindämmen sollten. „Ich denke, dass dieses Projekt für die Landwirtschaft der dortigen Bewohner hilfreich war“, sagt Ehmann heute vor den Schülerinnen und Schülern, doch er scheut sich auch nicht, kritische Punkte zu benennen: „Ein von Kollegen betreutes Baumschulprojekt war weit weniger erfolgreich: Es wurden zwar Hunderte von Bäumen gepflanzt, weil das Geld aber nicht für Zäune reichte, waren viele Bäume rasch von Ziegen abgefressen worden.“ „Gut gemeint heißt leider nicht immer gut gemacht“, sagt Ehmann und empfiehlt den Schülerinnen und Schülern, genau hinzuschauen und nachzufragen, wenn Hilfsorganisationen zum Spenden aufrufen.

„Insgesamt bin ich aber überzeugt, dass Entwicklungszusammenarbeit notwendig ist und auch hilft“, betont Ehmann. Auch räumt er mit dem Vorurteil auf, dass Entwicklungshelfer „notorische Weltverbesserer“ seien, die für einen symbolischen Lohn arbeiten müssten und lebenslang von einem Projekt zum nächsten durch die Welt tingelten. „Eine Tätigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit ist durchaus eine berufliche Perspektive und mitunter auch gut bezahlt“, erklärt Ehmann. Die Regel sei, dass Menschen mit gefragten Berufen wie Lehrer, Ärzte, Landwirtschaftsexperten oder Ingenieure für eine begrenzte Zeit ins Ausland gingen und anschließend wieder nach Deutschland zurückkehrten.

„Ich habe nicht nur den Afrikanern etwas beigebracht, sondern auch selbst viel gelernt“, sagt Ehmann rückblickend. Man müsse schon offen und flexibel sein, was die Lebensbedingungen in einem Entwicklungsland anginge, trotzdem machte Ehmann den jungen Zuhörern Mut, sich für die Entwicklungszusammenarbeit zu interessieren – möglicherweise diesen Aspekt auch bei der eigenen Berufsplanung zu berücksichtigen. Viele Fragen der Zuhörer drehten sich dann auch um die persönlichen Eindrücke und Ehmanns Erlebnisse im für sie fremden und schwer vorstellbaren afrikanischen Alltag. (hola)



 

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