Was wird aus dem Kraftwerk Staudinger?

Das Kraftwerk im Abendschein
Grosskrotzenburg - Bis zum Ende dieses Jahres wird E.ON die Entscheidung treffen, ob in Grosskrotzenburg ein neuer Block 6 gebaut oder nicht. Sollte sich E.ON gegen diesen Neubau am Standort entscheiden, werden die Tage des Kraftwerks Staudinger wohl gezählt sein.  Kraftwerksleiter Kaufhold stellte am Dienstag auf einer Pressekonferenz die ersten Überlegungen zu einem Kraftwerkneubau vor.  Westlich des derzeitigen Standorts, Richtung Grossauheim, könnte bis zum Jahre 2012 ein neuer Block 6 entstehen.

Anlass dafür ist die sehr wahrscheinliche Stilllegung der Blöcke 1 - 3 zu diesem Zeitpunkt. Diese Kraftwerke sind sind dann 45 Jahre alt, die Genehmigungen laufen ab und eine Modernisierung erscheint nicht wirtschaftlich. Bei der E.ON besteht Bedarf für neue Kraftwerkskapazität. Konzernintern läuft derzeit ein Standortwettbewerb. Ob in Grosskrotzenburg ein Neubau entsteht wird sich nach Ansicht von Kraftwerkleiter Kaufhold bis zum Jahresende entscheiden.

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Kraftwerkleiter Kaufhold erläutert die Neubaupläne

In Grosskrotzenburg hat man jedenfalls seine Hausaufgaben gemacht. Eine Teilfläche des ehemaligen NATO-Ölhafens ist als Erweiterungsfläche bereits erworben. Eine zweite Teilfläche ist in Vorbereitung. Ein Neubau eines abgedeckten Kohlelagers ist ebenso in Planung und kann im nächsten Jahr realisiert werden. Dies würde neben der Limesbrücke entstehen. Hochwasserüberschwemmungsraum wird bis Ende dieses Jahres geschaffen. Die endgültige Sanierung des Grundwassers im Bereich NATO-Ölhafen ist in der Planung und soll in den Jahren 2006 bis 2013 durchgeführt werden.

Für den Standort Staudinger spricht die Lage. Im Versorgungsnetz von E.ON ist der Netzpunkt Staudinger ein wichtiger Knoten. Ein Neubau eines Kohlekraftwerkes erscheint der Betriebsleitung hier sinnvoll. Der hohe Bedarf neuer Kraftwerkskapazitäten kann nicht allein aus Gaskraftwerken und regenerativen Energien gedeckt werden. Kohle erscheint hier wichtig für einen breiten Energiemx, Kohle ist zudem wesentlich preisstabiler. Die vorhanden Infrastruktur  (Schiff und Bahn) erlaubt kostengünstige Anlieferung des Brennstoffs.

Beim Neubau eines Heizblocks gäbe es auch einen Arbeitsplatzabbau. Dies solle sozialverträglich geschehen. Ausscheidende Mitarbeiter würden nicht mehr ersetzt. Die Kraftwerksleitung schätzt die Zahl der wegfallenden Arbeitsplätze auf etwa 60. Derzeit arbeiten im Kraftwerk 246 Mitarbeiter, weitere 180 sind als Dienstleister ständig mit dem Betrieb verbunden.

Seitens der Kraftwerksleitung legt man Wert darauf, dies seien alles Vorüberlegungen. Man will mit dem Schritt an die Presse die Bevölkerung in die Planungen einbeziehen und weist auf die Möglichkeit der Information durch die Kraftwerksleitung hin. Interessierte Bürger können mit der Mitarbeiterin Julia Katzenbach (Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 06186/292727) Besuche und Informationsveranstaltungen organisieren. Die Kraftwerkleitung möchte die künftige Entwicklung von Staudinger transparent gestalten.

 (gg)
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