Aloys Lenz: Eigentumsrechte an Märchen-Handexemplaren weiter unklar

Gutachten sollen Auskunft geben im Streit um Grimm-Exemplare
Hanau - Die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes,  haben weiterhin keinen eindeutigen Eigentümer. Wie der Hanauer CDU-Abgeordnete Aloys Lenz  mitteilt, hätten auch die Antworten des Ministeriums für Kunst und Wissenschaft auf seine diesbezügliche Parlamentarische Anfrage keine eindeutige Auskunft erbracht. Der Abgeordnete hatte  Ende vergangenen Jahren mit einer parlamentarischen Anfrage auf Pressemeldungen reagiert, nach denen der Geschäftsführer der Kasseler Brüder-Grimm-Gesellschaft das Eigentumsrecht an der mehrbändigen, mit Anmerkungen von der Hand der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm versehenen Märchenausgabe geltend gemacht habe.

Bis dahin habe die unschätzbar wertvolle Urschrift der Kinder- und Hausmärchen als eindeutiges Eigentum der Universitätsbibliothek in Kassel und damit des Landes Hessen gegolten. Nun erfuhr Lenz jedoch in der Antwort des Ministers für Wissenschaft und Kunst auf seine Anfrage, dass die  Eigentumsrechte an den Handexemplaren nach gegenwärtigem Stand ungeklärt seien. Minister Corts habe mitgeteilt, dass die Prüfungen, die bereits beim Antrag auf Aufnahme der  Arbeitsexemplare in das UNESCO-Weltdokumentenerbe im Jahr 2005 die Eigentumsfrage nicht eindeutig gewesen sei.. Seit  Dezember 2006, so die weitere Auskunft des Ministers,  prüfe das Rechtsamt der Stadt Kassel die Eigentumsfrage, jedoch habe sich das Ministerium entschieden, selbst auch  ein Gutachten in Auftrag zu geben.

Wie Lenz erläutert, seien die Handexemplare im Jahr 1897 von Hermann Grimm, dem Sohn Wilhelms, zunächst der 1920 aufgelösten Brüder-Grimm-Gesellschaft übergeben und dann in den Bestand der städtischen Murhard‘schen Bibliothek in Kassel überführt worden. Diese wurde vor einigen Jahren mit der Hessischen Landesbibliothek Kassel zur Universitätsbibliothek in der Verantwortung des Landes Hessen zusammengeführt. Die Brüder-Grimm-Gesellschaft allerdings wurde 1940 neu gegründet und erhebt heute Ansprüche auf die neun Bände der Handexemplare. Auschlaggebend für die gegenwärtige Verwirrung um die Eigentumsrechte sei eben diese wechselvolle Geschichte der Bestände der Kasseler Bibliotheken, wie Lenz auch der Antwort des Ministers entnehmen konnte. Gegenwärtig befänden sich die Handexemplare im Kasseler Brüder-Grimm-Museum, welches von der Brüder-Grimm-Gesellschaft geführt werde.

Der Abgeordnete teilt die Auffassung des Ministers, dass eine schnelle Klärung  der Eigentumsfrage unbedingt wünschenswert sei. Aloys Lenz: „Die Brüder Grimm und ihr Werk sind nicht nur ein Stück Hanauer und hessischer Identität, ihre Märchensammlung ist auch die kulturelle Botschaft Deutschlands an die Welt.“.  Darüber hinaus, so zitiert Lenz Minister Corts abschließend,  sei gerade im Hinblick auf die  gesteigerte internationale Aufmerksamkeit durch die Aufnahme der Märchensammlung in das Weltdokumentenerbe, „eine zügige juristische Klärung der strittigen Fragen wünschenswert“. (Büro Aloys Lenz, MdL)

Veranstaltungen über 10,00 Euro Eintritt sind kostenpflichtig

Unsere Obergrenze für kostenlose Veranstaltungshinweise - auch für Vereine und Kulturinitiativen - liegt bei 10,00 Euro. Alle anderen Einsendungen landen im Papierkorb.

HanauOnline.de veröffentlicht weder Kurse noch Ausstellungen kostenlos!

© 2020 Verlag Günter Gottlieb - Alle Rechte vorbehalten